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Die Sterbeverfügung

Mit 1. Jänner 2022 trat das Sterbeverfügungsgesetz (StVfG) in Kraft. Dieses ermöglicht schwerstkranken Menschen in Österreich freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Zum Nachweis eines dauerhaften, freien und selbstbestimmten Entschlusses zur Selbsttötung muß eine Sterbeverfügung errichtet werden. Dafür gelten folgende

Voraussetzungen:
Die sterbewillige Person muß
 volljährig und
 zweifelsfrei entscheidungsfähig sein,
 ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben oder österreichische Staatsangehörige sein, und an einer
■ – unheilbaren, zum Tod führenden Krankheit oder einer
   – schweren, dauerhaften Krankheit mit anhaltenden Symptomen leiden, deren Folgen die betroffene Person in ihrer gesamten Lebensführung dauerhaft beeinträchtigen.
 Die Krankheit muß einen für die betroffene Person nicht anders abwendbaren Leidenszustand mit sich bringen. Und:
 Der Entschluß der sterbewilligen Person muß frei und selbstbestimmt sein.

Vor der Errichtung einer Sterbeverfügung bei einem Notar – oder gem. StVfG auch bei einer Patientenanwaltschaft, was wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen gelingen wird – müssen zwei ärztliche Aufklärungen, eine davon bei einem Arzt mit palliativmedizinischer Qualifikation, stattfinden. Beide Ärzte müssen zweifelsfrei die Entscheidungsfähigkeit attestieren. Findet ein Arzt einen Hinweis auf eine krankheitswertige psychische Störung, deren Folge der Wunsch zur Beendigung des Lebens sein könnte, so hat er eine Abklärung durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin oder einen klinischen Psychologen zu veranlassen.

Auskunft über aufklärende Ärztinnen und Ärzte in Kärnten erhalten Sie bei der
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telefonisch unter 0463 / 5856 -19 (Frau Mag. Stefanie Fasching, B.A. LL.M.).

Der Termin beim Notar kann frühestens zwölf Wochen nach der ersten ärztlichen Aufklärung stattfinden. Diese Frist verkürzt sich auf zwei Wochen, wenn ein aufklärender Arzt den Eintritt der "terminalen Phase" attestiert – d. h. die Krankheit ein Stadium erreicht hat, in dem sie nach medizinischem Ermessen voraussichtlich innerhalb von sechs Monaten zum Tod führen wird.
Es wird empfohlen, die erste ärztliche Aufklärung mit einem Palliativmediziner und die zweite knapp vor dem Notarterminzu vereinbaren. Der Notar errichtet die Sterbeverfügung auf Basis der beiden ärztlichen Gutachten.
Falls ein (Haus-)Arzt bereit ist, als "Hilfe leistende Person" zur Verfügung zu stehen, sollte die Aufklärung durch eine andere ärztliche Person erfolgen. Aufklärende ärztliche Personen dürfen nämlich nicht beim Suizid assistieren.

Das Päparat
ist das Mittel, das zum Tode führt: Natrium-Pentobarbital in sicher tödlicher Dosis von 15g.
Es kann oral (getrunken) oder als intravenöse Infusion angewendet werden. 
Über die Art der Anwendung und evtl. notwendige Begleitmedikation entscheidet ein aufklärender Arzt.
Mit der Sterbeverfügung kann das Präparat in gewissen Apotheken bezogen werden. Das Präparat ist gegen unbefugte Entnahme gesichert zu verwahren. Im Falle der Nichtanwendung bzw. beim Auffinden eines Päparates in der Verlassenschaft einer verstorbenen Person muß dieses unverzüglich der Bezirksverwaltungsbehörde als Gesundheitsbehörde angezeigt werden (Gesundheitsamt verständigen oder in der Apotheke zurückgeben).

Freitodbegleitung
Anders als in der Schweiz hat der Gesetzgeber in Österreich keine professionelle Begleitung beim selbstbestimmten Sterben vorgesehen. Eine sterbewillige Person ist somit auf Unterstützung aus dem privaten Umfeld angewiesen. Volljährige und entscheidungsfähige Personen, die bereit sind, die sterbewillige Person bei der Durchführung der lebensbeendenden Maßnahme zu unterstützen, müssen in der Sterbeverfügung als "Hilfe leistende Person(en)“ eingetragen werden. Im Falle der intravenösen Anwendung des "Präparates" wird es notwendig sein, medizinisches Fachpersonal (Ärzte, DGKP) dazu zu gewinnen. Der Venenweg muß gut funktionieren, bevor die sterbewillige Person selbst eigenhändig den Infusionsschlauch des Präparates öffnet.

 

Links
Sterbeverfügungsgesetz (StVfG)
Sterbeverfügungs-Präparate-Verordnung (StVf-Präp-V)
Leitfaden des Bundesministeriums
Österreichische Gesellschaft für ein humanes Lebensende
Letzte Hilfe – Verein für selbstbestimmtes Sterben

 

Anmerkung
Den Begriff "assistierter Suizid" vermeiden wir bewußt.

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